• Kann der Nachwuchs großartig zeichnen oder Klavier spielen, fällt das sofort auf. Aber es gibt auch Talente, die man leichter übersieht. Tipps, wie man sie erkennt und angemessen fördert

 

Künstlerisches Talent

 

Was sind frühe Anzeichen dafür?

  • Meist lernen Kinder in verschiedenen Stadien malen: erst Kritzeln (2–4 Jahre), dann zielgerichtetes Zeichnen von Formen und Personen (4–7 Jahre), danach das Malen mehrerer Personen oder Objekte, die im Zusammenhang stehen (7–9 Jahre). Ein talentiertes Kind durchläuft diese Stadien schneller, vielleicht sogar so schnell, dass man meint, es würde sie überspringen.
  • Auffallend viele Ideen (für Zeichnungen, Bilder usw.), manchmal zu viele, um alle umsetzen zu können.
  • Längere Experimentierzeiten mit einem bestimmten Thema (Cowboys, Häuser) oder Material (bestimmte Farben, Ton, Knete).

 

Wie fördern Sie das?

  • Reagieren Sie auf die Arbeiten Ihres Kindes, erzählen Sie ihm, was Ihnen daran gefällt. Zur Kritzelzeichnung eines Zweijährigen könnten Sie etwa sagen, dass die Farben gut zusammenpassen.
  • Bewahren Sie die Arbeiten des Kindes mit Datum versehen auf, damit es seine eigenen Fortschritte verfolgen kann. Lassen Sie es regelmäßig ein oder zwei Lieblingsbilder aussuchen, die Sie zum Beispiel einrahmen: So bringen Sie ihm bei, die eigene Arbeit kritisch anzuschauen.
  • Geben Sie Ihrem Kind eine offene, herausfordernde Aufgabe: Kannst du einen Zoo zeichnen? Kannst du das auch aus Ton machen?

 

Musikalität

 

Was sind frühe Anzeichen dafür?

  • Vor dem fünften Lebensjahr beim Singen eines Liedes die Melodie halten können.
  • Vor dem fünften Lebensjahr komplette Lieder behalten und singen können.
  • Rhythmusgefühl: Die meisten Kinder können mit etwa drei Jahren schnell und langsam voneinander unterscheiden, ab etwa sechs Jahren einen regelmäßigen Rhythmus halten. Gelingt Ihrem Kind das schon früher, ist dies ein Zeichen für eine musikalische Anlage.
  • Faszination für Musik: aufmerksames Zuhören, Reaktionen wie Mitbewegen oder Tanzen, Neugier auf Laute, eigenes Ausdenken von Melodien und Liedern.
  • Experimentieren: Die meisten kleinen Kinder, die man an ein Klavier setzt, werden eine Weile ziellos auf den Tasten herumhämmern. Ein talentiertes Kind probiert Dinge aus, etwa wie man Töne laut oder leise klingen lassen kann oder welche Töne gut zueinanderpassen.
  • Sich auffällig lange konzentriert mit Musik beschäftigen können.

 

Wie fördern Sie das?

  • Je früher Sie damit anfangen, desto besser: Studien verdeutlichen, dass sich die musikalische Anlage bis zum neunten Lebensjahr noch entwickelt und danach stabilisiert.
  • Lassen Sie Musik schon früh zum Teil der alltäglichen Umgebung werden, beispielsweise indem Sie viel singen, verschiedene Arten von CDs auflegen, mit Musikinstrumenten experimentieren.
  • Wecken Sie Rhythmusgefühl, indem Sie gemeinsam klatschen und sich zu Musik bewegen.
  • Hat Ihr Kind genügend Feinmotorik, um ein Instrument zu spielen, kann es Stunden nehmen. Aber nur, wenn Ihr Kind das auch möchte, sonst kriegt Musikunterricht eine negative Assoziation. Ihrem Sprössling muss zudem klar sein, dass regelmäßiges Üben dazugehört.

 

Schreibtalent

 

Was sind frühe Anzeichen dafür?

Schon vor dem zweiten Lebensjahr in komplexen Satzstrukturen sprechen, wie „Ich habe gestern mit Autos gespielt“, und ein auffallend gutes Gedächtnis für Ereignisse.

  • Schon vor der Einschulung lesen (aus eigenem Antrieb) und leicht lernen können, ein großer Wortschatz, mit abstrakten Begriffen umgehen und sich gut ausdrücken können, Bücher verschlingen.
  • Kreative Schriftsteller sind meist schon früh fanatische Leser und Schreiber. Ihre ersten Geschichten sind auffallend anschaulich, die Kinder haben ein Gefühl für Rhythmus und den Klang von Sprache und lieben es, mit Wörtern zu spielen.

 

Wie fördern Sie das?

  • Vor allem durch häufiges (Vor-)Lesen. So bekommt Ihr Kind den korrekten Sprachgebrauch mit, lernt neue Wörter, und es tut sich ihm ein Schatz an neuen Ideen auf. Lesen ist die Vorstufe zum Schreiben.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was es liest. Lassen Sie es über die Hauptfiguren und den Verlauf der Geschichte nachdenken, und vergleichen Sie Bücher miteinander.
  • Regen Sie Ihr Kind zum Schreiben an: Schenken Sie ihm beispielsweise ein Tagebuch oder schreiben Sie gemeinsam einen Brief an die Oma.
  • Vermeiden Sie einen besonders kindlichen Sprachgebrauch, wenn Sie mit Ihrem Kind reden.

 

Naturwissenschaftliches Talent

 

Was sind frühe Anzeichen dafür?

  • Sprachgewandtheit, die Fähigkeit zu logischem, flexiblem Denken.
  • Eine Sehnsucht nach Wissen: Ihr Kind ist neugierig und will wissen, wie die Dinge zusammenhängen.
  • Unabhängiges Denken: Ihr Kind denkt selbstständig über Antworten nach, die es bekommt, auch wenn sie von einer Autorität (wie der Lehrerin) stammen. Mit einer ausweichenden oder stark vereinfachenden Antwort lässt es sich nicht abspeisen.
  • Ausdauer: Ihr Kind kann sich lange mit ein und demselben Problem beschäftigen, trotz Fehlschlägen

 

Wie fördern Sie das?

  • Denken Sie nicht vorschnell, Ihr Kind sei zu jung, um etwas zu verstehen.
  • Machen Sie Ihrem Kind nicht nur Komplimente, wenn es die richtige Lösung hat, sondern gucken Sie auch, wie es zu der Antwort kam. Fragen Sie es nach seinem Gedankengang – und überlegen Sie zusammen andere Lösungsmöglichkeiten.
  • Suchen Sie herausforderndes Spielmaterial mit „offenem Ende“, also keine Bausätze mit Anleitung, sondern etwas, das man selbst austüfteln kann.
  • Führen Sie mit Ihrem Kind Experimente mit Bedeutung durch: Wie lange halten Batterien verschiedener Marken – und wie könnten Sie das testen?
  • Bringen Sie Ihr Kind früh mit der Wissenschaft in Kontakt, etwa indem Sie ein technisches Museum besuchen.

PSYCHOLOGIE bringt dich weiter aus dem Hamburger Verlag Inspiring Network ist ein psychologisches Magazin „zum Anfassen“ und erscheint alle zwei Monate. Mit Interviews, Tests,  Hintergrundgeschichten und Reportagen, die den Leserinnen und Lesern die aktuellsten Erkenntnisse aus der Psychologie näherbringen und zeigen, wie sich diese für das eigene Leben nutzen lassen. Ein Magazin, das mit kreativen Ideen beflügelt, neue psychologische Ansätze ausprobiert, von Menschen erzählt, die Bewegendes erlebt haben – und dabei einfach. 

 

Spaß macht, auch im Internet www.psychologiebringtdichweiter.de